Menschen und Insekten : gleiche Rechte?

21.11.2021

Als Tierschützer werden wir oft mit unseren Widersprüchen in Bezug auf eine Theorie der Beziehung zu den Lebewesen konfrontiert, die wir anspruchsvoller gestalten möchten. Diese Widersprüche sollten im besten Fall zeigen, dass unsere Theorien nur utopisch sind, und im schlimmsten Fall auf unsere Heuchelei hinweisen und sogar uns als Extremisten abstempeln. Peter Singer, der 1972 mit seinem Buch "Animal Liberation" der Tierrechtsbewegung einen so starken Impuls gegeben hat, ist kritisiert worden, weil er viel Geld für seine an Alzheimer erkrankte Mutter ausgegeben hat, also seine Familie begünstigt hat, weil er nicht den universellen und familienunabhängigen Altruismus praktiziert hat, den er in seiner ethischen Reflexion vertritt.

Aber unabhängig von unserem Grad an ethischer Reflexion leben wir alle in Widersprüchen! Christen bemühen sich zum Beispiel, dem Weg Jesu zu folgen; wenn sie aber mit dem realen Leben konfrontiert werden, können sie nicht immer in die Fußstapfen ihres Führers treten. Ist dies ein Argument, um die humanistischen Ideen des Propheten des Christentums zu diskreditieren, sicherlich nicht. Eine Moral, ein ethischer Kodex kann kein absoluter Anspruch sein, sondern eine Leitlinie, die dazu führen soll, nicht ohne Widersprüche zu leben, sondern mit der Absicht, sich ihnen zu stellen oder auch nur denen bewusst zu sein. Nebenbei: Die Pranger von Widersprüchen sind oft dieselben Menschen, die noch nicht begonnen haben, über Ethik nachzudenken.

Wie können wir also eine biozentrische Ethik in unserem täglichen Leben praktizieren?

 Letztere besagt, dass alle Lebewesen mit einem Eigenwert ausgestattet sind und gleichermaßen respektiert werden sollten. Natürlich kann der Autor dieser Zeilen nicht anders, als weiterhin Lebewesen zu zerstören, zum Beispiel Insekten zu treten, bestimmte Pflanzen zu entwurzeln, wenn sie andere Arten bedrohen, die zur Artenvielfalt beitragen. Doch der Autor versucht, all dies zu minimieren und stellt vor allem die Frage nach dem Sinn einer Intervention, bevor er sie in die Praxis umsetzt. 

Die Änderung des Blickwinkels auf die Achtung der Lebewesen beseitigt nicht den eigenen ökologischen Fußabdruck, sondern erlaubt es, ihn zu verkleinern und ihm eine andere Bedeutung zu geben als die maximale Nutzung der Natur nicht nur für sein eigenes Interesse, sondern oft auch für sein bloßes Vergnügen.

Ja, der Autor nimmt nachts eine Fackel in seinem Garten mit, um die Schnecken nicht zu treten, und lässt die Spinnen in seinem Haus gedeihen. Das wird vielen lächerlich vorkommen, hoffentlich regt es andere Leser zum Nachdenken an...